„Gesicht zeigen! Aktion weltoffenes Darmstadt“

Zwei einstimmig gefasste Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung in 2000 und 2001, haben sich mit dem Thema befasst, wie sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt stärker gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit für Zivilcourage und Weltoffenheit engagieren kann.

Im Frühjahr 2002 wurde mit einem Magistratsbeschluss die Arbeitsgruppe „Aktion Weltoffenes Darmstadt“ ins Leben gerufen, um Aktivitäten und Projekte in diesem Bereich zu initiieren und zu bündeln. Diese Arbeitsgruppe will durch Kampagnen öffentliche Aufmerksamkeit für dieses Thema wecken und insbesondere junge Menschen ermutigen, sich gemeinsam gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu engagieren.

In dieser Arbeitsgruppe wirken Vertreterinnen und Vertreter aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen: aus Politik, Wirtschaft, Arbeit, Bildung und Religion mit. Die in Darmstadt lebenden Menschen nicht – deutscher Herkunft sind ebenso wie die Jugend durch eigene Organisationen vertreten.

Arbeitsschwerpunkte der AG sind: Informationsaustausch, Kooperation und Vernetzung, Durchführung von Aktivitäten und Projekten, Förderung von Aktivitäten und Projekten sowie Öffentlichkeitsarbeit.

Die Arbeitsgruppe hat zwei Projektgruppen zu den Handlungsfeldern „Politische und kulturelle Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen“ und Öffentlichkeitsarbeit sowie eine Konzept- und eine Finanzgruppe eingerichtet, die ihr zuarbeiten.

Kontakte bestehen zu dem bundesweiten Verein „Gesicht Zeigen ! Aktion weltoffenes Deutschland“, dem die Stadt beigetreten ist.

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt wurde im Februar 2005 für die Aktivitäten der AG „Gesicht zeigen! Aktion Weltoffenes Darmstadt“ mit einem Ehrenpreis des bundesweiten Bündnisses für Demokratie und Toleranz geehrt.

Verleihung von „Preis für Zivilcourage“

  • 2003 wurde ein städtischer Preis für Zivilcourage eingerichtet.
  • März 2004 wurde der erste Preis an die Initiatoren für das Projekt Denkzeichen Güterbahnhof verliehen, das an die Deportation von Juden und Sinti und Roma aus Darmstadt erinnert.
  • März 2005 wurde der erste Preis an das Theaterlabor Darmstadt für seine aktivierende Theaterarbeit mit Jugendlichen verliehen, die sich in mehreren Projekten im Rahmen der AG „Gesicht zeigen! Aktion weltoffenes Darmstadt“ manifestiert hat.

Öffentlichkeitsveranstaltungen:

  • Dezember 2002: Eine große Auftaktveranstaltung mit einem attraktiven Musikprogramm für Jugendliche in der Central-Station wurde vom Oberbürgermeister Peter Benz eröffnet
  • November- Dezember 2002: Es fand eine Werbeaktion für die Kampagne „Gesicht zeigen“ auf Omnibussen mit Appellen zum Mitmachen statt
    Mehrere Kabaretttheater in Darmstadt haben unter dem Motto „Gesicht zeigen“ ein spezielles Programm zusammengestellt
    Es fanden mehrere Autorenlesungen im Staatstheater, in der Orangerie und in Schulen statt
  • November 2002: Eine Foto-Ausstellung „Darmstädter zeigen Gesicht“ wurde an mehreren Orten gezeigt
  • November – Dezember 2003: Die Ausstellung „Anschläge gegen rechte Gewalt“ wurde im Stadthaus und anschließend in vier Schulen gezeigt. Parallel wurden Schulprojekte wie Begegnung mit Zeitzeugen und Besuch der Anne-Frank-Begegnungsstätte durchgeführt.
    Vorträge über Umgang mit dem Holocaust – Thema in multikulturellen Jugendgruppen (November 2002) sowie über rechte Jugendkulturen in Hessen (April 2001) wurden organisiert
  • 2002 – 2005: Interreligiöse Veranstaltungen mit Vorträgen über Islam, Dialog und Integration sowie Friedensgebete wurden unterstützt.
  • 2002 – 2005: Mehrere Musikveranstaltungen fanden unter dem Motto „Weltoffenes Daramstadt“ bzw. mit dem Logo „Gesicht zeigen“ statt.
  • April 2005 fand ein Workshop mit Prof. B. Hafeneger zur Herausarbeitung von Kriterien zur Einschätzung der Wirksamkeit von Projekten im Bereich Antirassismus statt.
  • September – Oktober 2005 fand im Stadtteil Martinsviertel die Martinsviertler Tage gegen Rassismus und rechte Gewalt statt, wo viele Gruppen und Initiativen aus dem Stadtteil mit vielfältigen Aktivitäten aufgetreten sind.

Projekte mit Jugendlichen:

  • Herbst 2002 bis Mai 2003: Im Projekt des Theaterlabors „Achtung Gesicht zeigen!“ probten Schülerinnen und Schüler ein halbes Jahr lang an acht Schulen interaktive Stücke, die sie an verschiedenen Orten in der Stadt aufführten.
  • Frühjahr – Herbst 2004: Eine Gruppe von Jugendlichen, die eine interaktive Revue einstudiert hat, führte diese in Schulen oder auf Veranstaltungen mit jungem Publikum auf.
    Im Projekt des Theaterlabors „Terrorismus“ probten Schülerinnen und Schüler mehrere Monate lang (2004-2005 ) interaktive Stücke zum Thema „Terrorismus“, wobei sie das Thema mit ihren Lebenswelten verknüpften.
  • 2003 – 2004: An verschiedenen Schulen fanden Projekte wie der Besuch des Heidelberger Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma oder der Frankfurter Anne-Frank- Jugendbegegnungsstäte statt.
  • 2002 – 2005: an mehreren Schulen fanden Lesungen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern zu Themen des interkulturellen Zusammenlebens statt.
  • Im Mai und Oktober 2005 fanden Aktionstage an der Diesterwegschule unter dem Motto der gegenseitigen Achtung und der gelebten Demokratie statt.
  • 2004: Eine Multi-Media-Animation fordert auf Video-Clips jugendgerecht auf, gegen Gewalt und Rassismus „Gesicht zu zeigen“. Diese Clips wurden auf großen Jugendmusikveranstaltungen aufgeführt.
  • November 2002: Es wurde eine Soccer – Mega- Night als Auftakt für das Aktionsprogramm Anstoß veranstaltet
  • September 2002: Ein Fußballturnier „Tore für Toleranz“ wurde im sozial stärker belasteten und multikulturellen Stadtteil Kranichstein durchgeführt.
    Von einem Sportverein (SG Arheilgen) wurden jährlich (2002 – 2005) Ringerturniere gegen Fremdenfeindlichkeit unter Beteiligung von Jugendlichen aus anderen europäischen Städten organisiert
  • November 2002: Jugendliche haben einen Kalender gegen Gewalt und Rechtsextremismus gestaltet
  • Jährlich werden Schulprojekte „Gegen Krieg und Gewalt“ vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Rahmen des Projekts „Lernort Gedenkstätten“ unterstützt.

Projekte mit dem Landesverband Deutscher Sinti und Roma:

  • Dezember 2002: Das Stück des Roma-Theaters Pralipe „Die Tinte unter meiner Haut“ wurde aufgeführt.
  • Mai- Juni 2004: Die Ausstellung „Hornhaut auf der Seele“ zum Thema Antiziganismus wurde zentral im Staatstheater und anschließend nacheinander an vier Schulen gezeigt. Zugleich fanden Lesungen und andere Projekte an Schulen statt.
  • September – Oktober 2004: Die Ausstellung „Der nationalsozialistische Völkermord an Sinti und Roma“ wurde im Hessischen Staatsarchiv gezeigt. Führungen für Schulen fanden statt.
    Langfristig wird die Errichtung eines Bildungs- und Kulturzentrum gegen Rassismus geplant.